Archiv-Thema:
Grippevirus H5N1 Vogelgrippe

eingestellt von Dr. Ralph Thoms

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Wir sind es gewohnt, Menschen anhand ihres Äußeren zu unterscheiden. Lange Nasen, kurze Nasen, blonde Haare, schwarze Haare.

Grippeviren lassen sich ebenso anhand ihrer äußeren Merkmale beschreiben. Statt Nasen gibt es hier Neuraminidasen (N), statt Haaren Hämagglutinine (H).

Hämagglutinine gibt es in 15 Varianten (H1-15), die einfach durchnummeriert werden. Die Viren brauchen diese Oberflächenstrukturen, um sich an Zelloberflächen festzuhalten und ihr Erbgut in die Wirtszelle einzuschleusen. Anschließend wird die Zelle so umprogrammiert, das sie neue Viren produziert. Diese gelangen wieder an die Oberfläche. Jetzt kommen die Neuraminidasen (N1-9) ins Spiel. Sie lösen die Viren von der Zelloberfläche ab, um neue Opfer zu suchen. Dieser Schritt wird von modernen Medikamenten wie Tamiflu (= Neuraminidase-\r\nhemmer) blockiert. Die neuen Viren bleiben an der Zelle kleben.

Ein Virustyp heißt dann z.B. H1N1 oder H3N2.Das waren übrigens die winzigen Übeltäter, die uns Menschen im letzten Winter heimgesucht haben und 12.000-15.000 Todesopfer in Deutschland forderten.

Das Grippevirus H5N1 hat sich auf Vögel spezialisiert. Es befällt in erster Linie Hühner und Wasservögel. Seit 2003 breitet es sich von Asien in Richtung Europa aus. Mit Menschen kann es kaum etwas anfangen. Bei Millionen Erkrankungsfällen unter asiatischem Federvieh gab es bisher nur gut 120 Übertragungen auf Menschen, die - wie in Asien traditionell üblich - sehr engen Kontakt mit den Vögeln hatten, 60 Menschen starben dabei bisher weltweit.

Eine Übertragung durch Geflügelfleisch ist bisher nicht aufgetreten und auch künftig sehr unwahrscheinlich. Die Ansteckung erfolgt durch den Vogelkot. Es gibt keinen einzigen Fall, in dem Vogelgrippeviren von Mensch zu Mensch übertragen worden wären.

Für uns besteht derzeit also praktisch keine Gefahr!

Der Grippeimpfstoff schützt übrigens sehr gut vor den für Menschen gefährlichen Grippeviren, nicht aber vor der Vogelgrippe. Macht aber nichts - schließlich haben wir keine Federn.

Trotzdem sorgen sich Experten zu Recht, da sich Grippeviren ständig verändern (mutieren). Wenn Vogelgrippeviren oft auf menschenfeindliche Grippeviren im selben Körper treffen (Doppelinfektion) kann es zum Austausch von Erbgut kommen. So könnte in Zukunft ein gefährliches Supervirus entstehen, das auch zwischen Vögeln und Menschen übertragbar ist. Für diesen Fall werden vorsorglich Katastrophenpläne erstellt.

Deshalb ist es auch gut, das wir heute viele Menschen gegen Grippe impfen. Wenn die beiden Virustypen seltener aufeinander treffen, kann es nicht so leicht zu einer Vermischung kommen. Eine unkritische Medikamenteneinnahme sollte unterbleiben, da die Viren sonst schnell lernen, die Wirkung auszuschalten (Resistenzentwicklung).

Also: Kein Grund zur Angst.
Aber: Wehret den Anfängen!

Grippevirus H5N1 Vogelgrippe